IHHT im Leistungssport: Warum "Doping ohne Doping" kein Widerspruch ist

Training
04/2026

In unserer täglichen Arbeit im Atemwerk begegnet uns oft eine spannende Frage: Wenn das Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Training (IHHT) die gleichen biologischen Zielsysteme anspricht wie verbotene Substanzen – warum ist es dann kein Doping?Die Antwort ist so simpel wie faszinierend: Es ist der Unterschied zwischen Manipulation und Adaption.

Der feine Unterschied: Reiz vs. Ergebnis

Stellen wir uns klassisches Doping wie eine Abkürzung vor, bei der das Ergebnis (z.B. mehr rote Blutkörperchen durch EPO) künstlich in den Körper "hineingedrückt" wird. Der Körper hat hier kein Mitspracherecht; die Physiologie wird direkt manipuliert.

IHHT funktioniert genau andersherum.

Wir geben dem Körper kein fertiges Ergebnis vor. Wir setzen lediglich einen gezielten, kurzzeitigen Reiz – den Sauerstoffmangel (Hypoxie). Wie dein Organismus darauf reagiert, entscheidet er selbst. Es ist ein biologischer Dialog:

  • Der Reiz ist die Frage.
  • Die körpereigene Anpassung ist die Antwort.

Da diese Reaktion individuell, nicht garantiert und vollständig von deiner eigenen Physiologie abhängig ist, gilt IHHT rechtlich und ethisch als reines Training – genau wie ein harter Intervalllauf oder Krafttraining.

Was sagt die Wissenschaft (und die WADA)?

Die World Anti-Doping Agency (WADA) hat hierzu eine klare Haltung. Damit eine Methode verboten wird, muss sie mindestens zwei von drei Kriterien erfüllen: Leistungssteigerung, Gesundheitsgefährdung oder ein Verstoß gegen den „Spirit of Sport“.

Hypoxietraining steigert zwar die Leistungsfähigkeit, ist aber bei sachgemäßer Anwendung weder gesundheitsschädlich noch unethisch. Deshalb stehen Höhentraining, Hypoxiezelte und unser IHHT völlig zu Recht auf keiner Verbotsliste.

Was passiert während einer Session im Atemwerk?

Wenn du bei uns auf der Liege entspannst, passiert in deinen Zellen Schwerstarbeit. Durch die gezielte Hypoxie wird ein spezieller Faktor in deinen Zellen aktiviert (HIF-1α). Dieser fungiert als "Generalmanager" für deine Anpassungsprozesse:

  1. Mitochondriale Effizienz: Deine Zellkraftwerke werden aussortiert und erneuert.
  2. Sauerstoffnutzung: Dein Körper lernt, mit dem vorhandenen Sauerstoff ökonomischer umzugehen.
  3. Regeneration: Die Mikrozirkulation und Gefäßstruktur können sich verbessern.

Studien (u.a. von Czuba et al. oder Serebrovska et al.) zeigen zwar, dass dabei sogar kurzzeitig körpereigenes EPO ausgeschüttet werden kann, doch der entscheidende Punkt bleibt: Es ist dein eigenes System, das arbeitet.

Fazit: Ein Trainingsreiz, kein Cheat-Code

IHHT ist für uns im Atemwerk die modernste Form, dem Körper beizubringen, über sich hinauszuwachsen. Es ist kein "magisches Mittel", sondern ein hocheffizienter Reiz, der jedoch nur im Kontext einer guten Gesamtstrategie (Ernährung, Eisenstatus, Training) seine volle Wirkung entfaltet.

Am Ende bleibt IHHT das, was Sport im Kern ausmacht: Den Körper herausfordern, damit er von selbst stärker wird.

Du willst deine Zellen fit für das nächste Level machen?

Egal ob Profisportler oder Alltags-Athlet – wir unterstützen dich dabei, dein volles Potenzial auszuschöpfen.

Wissenschaftlicher Anhang (Quellen)

Für alle, die es ganz genau wissen wollen, haben wir hier eine Auswahl an Studien zusammengestellt:

  • Czuba, M. et al. (2021): Intermittent hypoxic training and erythropoietin response.
  • Serebrovska, T. V. et al. (2019): Intermittent hypoxia-hyperoxia therapy: mechanisms and applications.
  • Millet, G. P. et al. (2010): Hypoxic training and team sports: a review.
  • Siebenmann, C. et al. (2017): No increase in total hemoglobin mass after short-term intermittent hypoxia.